Teil 2 – Sansibar

Sauerteig im Handgepäck

17:30 in Lissabon gestartet, landen wir 5 Stunden später um 1:30 Ortszeit in Istanbul.
Da der Flug nach Daressalam erst um 19:45 geht bekomme ich von Turkish Airlines ein gratis Hotelzimmer für die Nacht mit Frühstücksbuffet und Mittagessen. (Auch abgesehen davon kann ich Turkish Airlines sehr empfehlen.)
Am Hoteldesk zeige ich kurz mein Flugticket und nach einer kurzen Wartezeit werde ich mit noch ca 15 weiteren Leuten zum Busshuttle gebracht. Nach 45 min Fahrtzeit kommen wir im Hotel an. Der Check-In zieht sich etwas aber dann liege ich kurze Zeit später, um mittlerweile 3:00 nachts, in einem großen Doppelbett. Mein Zimmer riecht zwar extrem nach Rauch aber das stört mich jetzt nicht, immerhin bekomme ich das ja alles mehr oder weniger gratis. 
Am nächsten morgen wache ich gerade so pünktlich auf, um das Frühstück noch zu bekommen.
Im Hotel frage ich nach Mehl um meinen Sauerteig zu füttern, leider wird das Essen von außerhalb geliefert und es gibt im Hotel selbst keine Küche.
In einem Einkaufscenter, dessen Eingang mit Wachmann und Personenscanner ausgestattet ist, finde ich einen Supermarkt und kaufe mir meine Packung Mehl.

Am Nachmittag geht es per Shuttle zurück zum Flughafen, dieses Mal sitze ich ganz allein in einem kleineren Bus. 

Am Flughafen treffe ich Dubiels, meine Tante Angelika mit Christian und meine Cousine und Cousin Helene und Leander (ein paar Tage später kommt auch noch meine Cousine Anna nach), welche für 2,5 Jahre auf Sansibar gelebt haben und mit denen ich zusammen dorthin fliege.

eine völlig andere Welt

Nach 8 Stunden Flugzeit kommen wir in Daressalam an und man merkt direkt beim verlassen des Flugzeugs das hier ein anderes Klima herrscht. Dabei ist es im Flughafengebäude noch vergleichsweise angenehm, verglichen zur Luftfeuchtigkeit und Temperatur die uns entgegen kommen als wir vor die Tür treten.

Vorher gab es noch Passkontrolle, Visum beantragen, Stempel bekommen etc. man fühlt sich ein wenig wie einer Telefonhotline, da während der ganzen Wartezeit im Hintergrund in mäßiger Qualität 5 verschiedene Gitarrencover von bekannten Songs in Dauerschleife aus kleinen Boxen laufen. Man bekommt schon hier einen ersten Eindruck vom ,,pole pole,, (mach langsam) mit dem hier alles angegangen wird, das Personal an den Schaltern zur Passkontrolle etc. lässt sich nicht von der Schlange der Wartenden aus der Ruhe bringen. 

Für unseren Weiterflug müssen wir in ein anderes Gebäude am Flughafen zum Terminal 2, wo wir noch 3 Stunden auf unseren Flieger nach Sansibar warten müssen. Dort laufen auf kleinen Flachbildschirmen europäische Fußballspiele in teilweise sehr schlechter Qualität. Nach genauerer Betrachtung fällt mir auf das diese auch nicht aktuell sondern schon mehrere Wochen alt sind.

Mit PrecisionAir geht es früh um 6:50 rüber nach Sansibar. Kurz nachdem wir in der Luft sind, setzt das Flugzeug auch schon wieder zum Landeanflug an und nach nur 15 Minuten Flugzeit landen wir auf der Insel.

Nach gefühlt 100 Passkontrollen und Gepäckscans in den letzten 40 Stunden verlassen wir den Flughafen und werden mit dem Auto zur Wohnung von Dubiels in Fumba Town gefahren. 

Mangobäume am Straßenrand

Zum Frühstück gibt es bereits das erste Mal herrlich leckeres Obst, welches ich hier während meiner Zeit auf der Insel tagtäglich genießen werde. Meistens verkaufen die Leute hier ihr eigenes Obst, das sie auf Tischen ausgebreitet am Straßenrand anbieten. Es gibt Unmengen an Mangos (überall sieht man teils riesige Mangobäume stehen), außerdem gibt es (Koch)Bananen, Passionsfrüchte, Ananas, Shoki Shoki (eine Art Litschi), Avocados und einiges mehr.


Die Straßen hier sind viel mehr als nur eine Fahrbahn für Autos oder Motorräder. Gefühlt findet hier das ganze Leben der Leute statt; überall stehen Menschen und verkaufen neben Obst und Gemüse verschiedenste andere Dinge. Leute transportieren alles Mögliche auf verschiedenste Art und Weise: auf dem Kopf, in riesigen Körben auf dem Motorrad oder mit Wägen, die von kleinen Kühen gezogen werden. Oft sieht man am Straßenrand Tischler die schöne Betten, Türen oder anderes herstellen, Metallbauer die große Tore schweißen oder Streetfood-Stände, an denen kleine Fleischspieße, Mais oder anderes gegrillt werden.

Meinen Sauerteig, welchen ich ohne Probleme im Handgepäck mitführen durfte, hat es gut nach Afrika geschafft und wird in den ersten Tagen gut vermehrt und zu Broten verbacken.

es ist heissss!!!

In Sansibar ist hier gerade Sommer bzw. Trockenzeit, wobei es in den letzten Wochen wohl vergleichsweise viel geregnet hat und somit zurzeit deutlich grüner ist, als es sonst um diese Zeit der Fall wäre. 
Die Luftfeuchtigkeit und die Temperaturen sind sehr hoch und daran muss man sich erst mal gewöhnen. Nachts kann man eigentlich nur mit Klimaanlage schlafen und auch tagsüber steht die Luft in den Räumen sehr schnell. 

Ausflug an die Ostküste

Von Freitag zu Montag sind wir an der Ostküste Sansibars, dem eigentlich bekannten und touristischem Teil der Insel. An kilometerlangen, weißen Sandstränden reiht sich hier ein Hotel an das nächste unter Kokospalmen.

Für uns ist es quasi eine Art Urlaub im Urlaub, den wir in den Evergreen Bungalows verbringen. Ein sehr schöner Ort zum Entspannen, an dem sich einzelne Bungalows unter Palmen verteilen. Ein großes, offenes Gebäude dient als Restaurant und Bar und zum Strand hin stehen Sitzgelegenheiten und Liegen und zwischen die Bäume sind Hängematten gespannt.

Am ersten Abend gehen Leander und ich nach dem Essen noch etwas am Strand spazieren. Da man als Weißer hier fast überall angesprochen oder einem versucht wird Etwas zu verkaufen, denke ich mir im ersten Moment nichts dabei, als eine Gestalt aus der Dunkelheit auf uns zu kommt. Erst an Leanders Reaktion merke ich das etwas nicht stimmt und mir fällt auf das der Mann vor uns ein Messer in der Hand hält. ,,give me your money,, oder so ähnlich wiederholt er zweimal. Er macht auf mich einen Recht unsicheren Eindruck, und als wir ihm zu verstehen geben das wir tatsächlich gar nichts dabei haben und nur in Badehose unterwegs sind, zieht er sich mit einem ,,sorry, sorry,, wieder in die Dunkelheit zurück. 

Auch für Leander der hier schon über 2 Jahre verbracht hat ist das eine neue Erfahrung und ein wenig komisch fühle ich mich danach schon.

Bis auf dieses unschöne Ereignis ist es aber ein sehr entspannter und angenehmer Aufenthalt. Wir liegen viel in der Hängematte, lesen und entspannen und am späten Nachmittag spiele ich mit der lokalen Jugend Fußball am Strand bis es dunkel wird.

keine festen preise

 Der Tansanianische Schilling ist die Währung in Tansania. Der größte erhältliche Schein sind 10000 Schilling was umgerechnet ca. 3,70 € sind.
Beispielsweise bekommt für 1500-2000 TZS eine riesige Mango, einen kleinen Haufen Passionsfrüchte oder einen Bund kleiner Bananen.

Was man in Sansibar lernen muss, ist das Feilschen um den Preis. Schwer fällt es mir allerdings nicht, auch wenn es manchmal etwas mühsam ist und man oft trotzdem zu viel bezahlt, da man den eigentlichen Wert nicht kennt, was aber ja nicht anders als bei uns ist.

Den ,,größten Erfolg,, hatte ich beim Kauf einer 0,5 l Flasche Wasser aus dem Fenster eines Busses heraus: 

,,How much is it?,, – ,,2000 Schilling,, 

,,No, I give you 500,,- ,,Ok,,

Spaß macht das irgendwie schon. 😀

die verschiedenen Märkte

Wenn ich unterwegs bin halte ich immer Ausschau nach lokalen Märkten. Ich liebe diese ursprünglichere Form des Einkaufens. 
In Stone Town gibt es verschiedene Märkte bei denen man oft nicht erkennt wo sie anfangen oder aufhören, da sie teilweise fließend ineinander über gehen.

Auf dem Darajani Markt gibt es die verschiedensten Gewürze die auf Sansibar angebaut werden, daneben befinden sich der Fisch und Fleischmarkt in einer zweigeteilten länglichen Halle. Je nach Tageszeit ist der Geruch allerdings so streng das man dort eher eine Bogen drum herum macht. Der Fischmarkt ist dann aber doch zu interessant und ein zwei mal laufe ich hindurch und schaue mir die verschiedensten Fische und Meeresfrüchte an die man hier erwerben kann.
Um aber tatsächlich etwas zu kaufen muss man sich aber etwas mehr auskennen da man sich nicht sicher sein kann wie lange die Fische schon bei der Hitze draußen rum liegen.

Weiter ins historische Stone Town hinein kommt man eher in touristischere Gebiete mit Hotels, Restaurants und verschiedenen Läden mit Stoffen und Souvenirs.
In anderen Teilen der Stadt außerhalb von Stone Town findet man Märkte auf denen eher keine Touristen unterwegs sind. Hier geht die einheimische Bevölkerung einkaufen. So findet man hier eine Straße auf denen sich nur Läden mit Baumaterial befinden, eine Straße für die bunten Kitenge und Kanga- Stoffe in verschiedensten Mustern und Farben, oder eine Gegend für Betten und Matratzen, usw. aber auch hier muss man sich etwas auskennen um sich zurecht zu finden.

DAlla DAlla

Ähnlich verhält es sich mit den Dalla Dallas, den Kleinbussen die hier als öffentliches Verkehrsmittel genutzt werden. Zuerst einmal muss man wissen wo die Busse abfahren. Erkennbare Haltestellen gibt es nämlich nicht wirklich, es gibt eine Art Busbahnhof, eine große Straße die größtenteils vollgestopft ist mit Bussen.

Ankommende Busse halten am Rand, der Beifahrer bzw Ticketverkäufer wiederholt rufend die Orte die der Bus durchfährt bis der Bus wieder bis zur Tür gefüllt ist und  sich seinen Weg durch die verstopfte Straße bahnt.
Jeder Bus hat eine Nummer mit einer Endhaltestelle, also ist das ganze Recht einfach wenn man bis zur Endhaltestelle fahren will. 
Für alle anderen Orte muss man dann wissen wo die Busse lang fahren und da wird es dann schwierig, da am ,,Busbahnhof,, ein heilloses Durcheinander herrscht und alle durcheinander rufen. Zum Glück war das bei mir nie der Fall. 

Was sind Verkehrsregeln???

Selbst Auto gefahren, bin ich in der Zeit auf der Insel nicht. Sich erst mal an den Linksverkehr zu gewöhnen wäre das Eine gewesen, was aber das deutlich Gewöhnungsbedürftigere ist wäre das Chaos auf den Straßen gewesen.

Jeder fährt hier wie er will, eine klare Abgrenzung der Spuren gibt es nicht. So wird für abenteuerliche Überholmanöver einfach eine dritte Spur in der Mitte der Straße eröffnet. Bei erhöhtem Verkehrsaufkommen versucht sich jeder seinen eigenen Weg durch die anderen Autos zu bahnen und so schnell wie möglich voran zu kommen.

3 oder 4 mal kam es vor, das der Verkehr komplett zum stehen kam, das lag aber nie daran das es eine Unfall gegeben hatte. Die Straßen werden für Politiker zum einfacheren Vorankommen kurz von Soldaten oder Polizei komplett gesperrt und kurz später sieht man große Schwarze SUV´s die Straße entlang rasen. An der Anzahl der Fahrzeuge kann man erkennen wie hochrangig der jeweilige Politiker ist. Schon irgendwie sehr verrückt.

Suaheli

An Vokabeln habe ich leider nicht sehr viel gelernt. Neben Jambo für Hallo und Asante Sana- Danke sehr, habe ich allerdings das sehr nützliche ,,Labda badae´´ gelernt.
Es bedeutet vielleicht später, und kann immer dann eingesetzt werden, wenn einen mal wieder ein TukTuk-Fahrer irgendwo hin bringen oder ein Straßenhändler etwas verkaufen möchte.
Da die Leute nicht damit rechnen das ein Tourist etwas auf Suaheli antwortet, lacht man gemeinsam darüber und wird dann in Ruhe gelassen.

Zurück nach Istanbul

Ziemlich schnell ist mein Aufenthalt auf Sansibar dann auch schon wieder vorbei.

Viele Eindrücke habe ich bekommen, eine gewisse Ähnlichkeit zu meinen tropischen Erfahrungen aus Guatemala gibt es auf jeden Fall aber dann ist es auch trotzdem noch mal ganz anders.

Am Abend des 22.02. geht es wieder mit dem Flieger nach Daressalam und nach einer Nacht am Flughafen zurück nach Istanbul, wo für mich der letzte Teil meiner Reise mit vielen weiteren und auch sehr unerwarteten Erfahrungen bevorsteht.

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